EmbrunMan

Nur vier Wochen nach meinem Start bei der Challenge Roth stand ich wieder an der Startlinie einer Langdistanz. Roth war mein Hauptwettkampf, Embrun mein „Adventure Race“.

Embrun ist ein kleiner verschlafener Ort in Haute-Provence. Starten wollte ich bei diesem Rennen schon so lange, aber irgendwie passte das Rennen nie wirklich in meinen Rennkalander rein und dieses Jahr eigentlich auch nicht. Somit war meine Vorbereitung für dieses Rennen auch eher laienhaft. Das letzte Mal Berge geradelt bin ich auf Mallorca im April, Wettkampfkilometer hatte ich genug von den ganzen Rennen in den Beinen, Regeneration sicherlich zu wenig!

Mein 4-Wochenplan sah aus wie folgt: 10 Tage ausruhen von Roth, 10 Tage richtig trainieren, 10 Tage tapern. Dann habe ich noch das Rennrad mit einem 11-28 Ritzelpacket zur Bergziege umgebaut.

Mit dieser Vorbereitung ging es zum EmbrunMan und ich stand um 6Uhr morgens im Stockdunkel an der Startlinie am größten See Frankreichs. Ohne viel Stress und zeitlichen Druck brachte ich die zwei Runden im See im 21 Grad warmen Wasser hinter mich, da ich wusste, es wird ein langer Tag.

Dann raus aus dem Neo und rein ins Radtrikot und die Armlinge nicht vergessen, da das Thermometer 9 Grad anzeigte. Die Radstrecke startete mit einem Anstieg und ich hoffte, dass mir durch die Anstrengung Berghoch warm werden würde. Leider falsch: Die ersten zwei Stunden habe ich gefroren und vermisste meine Handschuhe und meine Weste! Nach und nach kam die Sonne über die Berge und die Körperwärme kehrte zurück.

Bei Kilometer 65 startete die eigentlich Herausforderung des Tages, der Col d’Izoard mit 31km über 1360Hm. Die ersten Kilometer sind nur leicht ansteigend, aber die letzten 13 Kilometer hatten eine max. Steigung von 13% und zerrten an meinen Kräften. Oben am Gipfel hat man fast 100Km von der Radstrecke geschafft. Dann geht es in eine 20km lange kurvenreiche Abfahrt.

Unten angekommen blies der Wind mir entgegen und die Uhr zeigte schon über 5 Stunden Radfahren an. Eigentlich bin ich bei einer „normalen“ Langdistanz jetzt schon in den Laufschuhen und habe nicht, wie beim EmbrunMan noch 68Km auf dem Rad. Der Gegenwind und die folgenden Steigungen kosten Zeit und Kraft! Bei Kilometer 140 war der Ofen aus… Der Akku leer, die Beine kraftlos und der Kopf sagte, legt dich eine halbe Stunde ins Gras oder schiebe den Berg doch….! Doch irgendwie rollte ich die letzten Kilometer zurück nach Embrun und stellte mein Rad nach über 7 Stunden Rad fahren und über 4500Hm in den Beinen wieder in der Wechselzone ab. Ziemlich angeschossen versuchte ich langsam ins laufen rein zukommen. Um eine Vorstellung von der gefühlten Müdigkeit zu bekommen. Man stelle sich vor, nach dem doppelten Küstenklassiker auf Mallorca noch einen Marathon zulaufen.

Meine erste Zielsetzung war, 5 Kilometer durch laufen – geschafft! Nächstes Ziel bis 10km – geschafft! Nächstes Ziel bis 21 – halbgeschafft! Musste stehen bleiben und essen! Irgendwie habe ich auf der ersten Runde den Versorgungsstand mit den Gels übersehen und habe mich nur mit Cola und Kekse versorgt. Jetzt erst mal eine Handvoll Gels eingepackt und zwei auf einmal verschlungen und dann ging es wieder los.

Die zweite Runde war richtig zäh. Ich versuchte bis zu den Versorgungsständen zu laufen und diese dann zu durchgehen, dabei zu essen und zu trinken. Nach und nach zählte ich die Kilometer runter, dann endlich kam das Ziel. Nach über 12 Stunden war ich endlich zu Hause. Happy, zufrieden und Bewegungsunfähig, auch wenn ich gerne etwas schneller gewesen wäre. Aber in 4 Wochen zwei Langdistanzen zu machen ist einfach verrückt….

Mein Fazit: Tolles Rennen, super Stimmung! Auch in dem kleinsten Örtchen oder Ecke standen Leute, die einen angefeuert haben. Einfach genial das Rennen. Auch wenn ich noch nie solche Schmerzen gehabt und mich so gequält habe im Rennen. Es hat sich gelohnt! Zum Glück vergisst man die Schmerzen und das Gefühl es geschafft zu haben bleibt!

Einige Rennen muss man einfach gemacht haben und dieses Rennen gehört dazu. Aber noch mal würde ich es nicht tun.